Eine Überschreitung des Watzmann

Print This Post

Autor: Johannes Malchàrek

Vor einigen Jahren plante ich eine mehrtägige Bergtour bei Berchtesgaden mit der Überquerung des Watzmann. Fünf Bergkameraden schlossen sich mir an. Wir begannen im Ort Königssee und fuhren mit einem der Elektroboote über den Königssee zur in den See hineinragenden Halbinsel mit der Wallfahrtskirche St. Bartholomä. Das Trompeten-Echo erfreute uns genauso, wie die klare Morgenluft in dieser herrlichen Berglandschaft. In St. Bartholomä, welches wir schon hinreichend kannten, hielten wir uns nicht weiter auf.Unsere Wanderung begann mit dem steilen Aufstieg über den Rinnkendl-Steig hinauf zum Aussichtspunkt hoch über der berühmten Echowand, der Archenkanzel. Hier hat man eine herrliche Aussicht über den Königssee nach Norden, und nach Süden bis zur Sagereckwand. Gegenüber sahen wir hoch oben die Gotzenalm mit den ausgedehnten Weideflächen. Der weitere Weg führte uns zur Rast in die Kührointhütte. Nach kurzer Pause stiegen wir weiter hinauf bis zum Watzmannhaus. Hier richteten wir uns häuslich ein und verbrachten den Abend mit weiteren Planungen und mit erholsamem Schlaf.Nach einem kurzen Frühstück stiegen wir am frühen Morgen steil hinauf zum ersten Gipfel des Watzmann, dem Hocheck. Von hier aus beginnt die eigent­liche Querung dieses Gebirgsstockes bis zur Mittelspitze. Erst dann wird aus der Tour ein Balanceakt. Der Grad ist teilweise so schmal, dass an mit einem Fuß im Westen, mit dem anderen Fuß in der Ostseite Halt finden muß. Ein Sicherungsseil liegt zwar auf dem Kamm, ist aber nur psychologische Hil­fe. Rechts hinunter schaut man in das Wimbachtal, 1.700 Meter tief drunten. Nach rechts liegt unten der Königssee, 2.100 Meter tiefer. Nach 6 Stunden Kletterei erreichten wir den Südgipfel des Watzmann (2.712 m hoch).

Hier wurde bei ausgezeichnetem Wetter eine ausgiebige Pause eingelegt. Der Abstieg zur Wimbachgrieshütte zieht sich über 4 Stunden hin und strapazierte hauptsächlich unsere Kniegelenke. Nach insgesamt 10 Stunden haben wir die Hütte erreicht, genossen den schönen Abend und erholten uns von den Stra­pazen.

Am nächsten Morgen beschlossen wir, die Rückkehr zu unseren Fahrzeugen abwärts durch das Wimbachtal zur Bundesstrasse 305 zu gehen, und von dort aus mit dem Linienbus nach Königssee zu fahren. Dort angekommen, wollte einer unserer Kameraden noch einmal telefonieren. Er ging also ins nächste Gasthaus. Wir anderen gingen zur Bushaltestelle an der Strasse. Kaum dort angekommen, sahen wir von weitem schon den Bus heranrollen. Ich lief zurück, um meinen Kameraden zur sofortigen Rückkunft zu bitten, weil wir nicht wussten, wann der nächste Bus in dieser ländlichen Gegend fahren würde. Ich fand ihn nicht und kehrte schleunigst zur Strasse zurück, wo der Bus in der Zwischenzeit bereits an gekommen war. Wir lösten alle unsere Fahrtausweise und warteten auf unseren Kameraden. Der Busfahrer, und auch die Gäste im Bus, behielten die Ruhe. Nach ungefähr 5 Minuten kam endlich der verschollene Kamerad, und der Bus setzte seine Fahrt fort. Und nun kam etwas, was wir noch nicht erlebt hatten:

Die Gäste im Bus klatschten Beifall, weil der Busfahrer auf uns gewartet hat, obwohl sie alle doch einiges an Zeit verloren hatten. Nach herzlichem Dank an den Busfahrer und an die Gäste verließen wir wohlbehalten den Bus in Königssee.

Related posts


You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.

Posted in German |

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.