Gewitter über’m Plattkofel
Autor: Johannes Malchàrek
Vom Sella-Paß aus, in Südtirol, fuhren wir mit der Zweier-Kabinenbahn hinauf zur Demetz-Hütte. Zunächst begannen wir unseren Weg mit dem Abstieg zur Langkofel-Hütte. Hier beginnt der Schuster-Steig, ein besonders schöner Klettersteig. Er führte uns in gut 2 Stunden hinauf zum Gipfel des Plattkofel in fast 3 Tausend Metern Höhe. Die meisten unserer Mannschaft stiegen zurück zur Demetz-Hütte, um am nächsten Tag den Langkofel zu besteigen. Zu zweit stiegen wir auf der Südseite des Gebirgstocks zur Plattkofel-Hütte hinab. Hier übernachteten wir. Die Nacht war stürmisch und ein Gewitter jagte das andere.Am nächsten Morgen erwartete uns ein strahlender Sonnentag. Wir umrundeten den Sella-Stock auf dem Friedrich-August-Weg bis zur gleichnamigen Hütte. Es war ein wunderschöner Weg mit berauschenden Aussichten ins Tal und zu den benachbarten Bergen. Nach einer kurzen Rast verließen wir die Hütte und wendeten uns dem Sella-Paß zu. Schon nach kurzer Zeit unseres Weges türmten sich Wolken über uns auf, wie es in der Geschwindigkeit nur im Hochgebirge möglich ist.
Es begann zu regnen, erst noch zaghaft, aber immer mehr zunehmend. In einiger Entfernung erspähten wir eine Plane. Wir beeilten uns, um vielleicht unter ihr Zuflucht zu finden. Doch es erwies sich als eine optische Täuschung. Dafür entdeckten wir aber etwas abseits eine halb zerfallene
Holzhütte. Doch die Tür war total verzogen und ließ sich nicht öffnen. Nun öffnete der Himmel seine Schleusen und über uns ergoss sich mit Blitz und Donner ein gigantisches Gewitter, begleitet von Hagelkörnern, größer als die größten Erbsen. Nun hatten wir Glück. Direkt neben uns stand ein windschiefes altes Toilettenhäuschen. Die Tür hing schief in den Angeln.
Doch in unserer Not, die Hagelkörner trafen uns wie Geschosse, zwängten wir uns zu zweit in dieses traute Heim !!! Die Holzbretter unter unseren Füßen bewegten sich bedenklich, so dass wir jeden Moment damit rechnen mussten, in die ehemalige Kloaken-Grube zu stürzen. Durch die offene Tür trafen uns die quer schlagenden Hagelkörner schmerzhaft an unsere unbekleideten Beine. - Die Hagelflut ließ nach.
Wir verließen unsere Zuflucht und im Dauerregen setzten wir unseren Weg fort. Der Wind pfiff uns um die Ohren und wir mussten eine Entscheidung treffen. Gehen wir hinunter zum Sella-Joch, um dort zu übernachten, oder steigen wir hinauf zur Demetz-Hütte, wo unsere Kameraden auf uns warteten. Wir entschlossen uns hinauf zu steigen. Der Pfad wurde immer steiler. Rechts neben uns hingen die Kabinen der Seilbahn zur Hütte. Der Betrieb war schon längst eingestellt worden, denn die Kabinen schwangen an den Seilen wie die Pendel riesiger Uhren. Es sah bedrohlich aus. Immer weiter führte uns der Steig in vielen Serpentinen nach oben. Mehrmals wurden wir durch plötzliche Windböen von den Füßen gerissen. Von oben kamen ganze Wasserfluten, Steine und Geröll mit sich reißend den Berg hinunter. Doch glücklich erreichten wir die Hütte. Schnell hatten wir unsere durchnässte Kleidung gewechselt und die wohlige Wärme aus dem Kamin und ein doppelstöckiger Tee mit Rum brachte unser Leben wieder ins Gleichgewicht.
- Trotz aller Mühsal möchten wir auch diese Tour nicht missen.
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