Die Antenne
Autor: Johannes Malchàrek
Meine Eltern besaßen ein eigenes Haus. Meine Kindheit und Jugend wurde durch das Leben in diesem wunderbaren Elternhaus geprägt. So war es nur logisch, dass es mein sehnlichster Wunsch war, auch einmal ein eigenes Haus zu besitzen.Ich träumte vom eigenen Haus, obwohl ich finanziell noch weit davon entfernt war. Ich zeichnete Pläne, verwarf sie wieder, und machte Neue. Einmal war ich ganz nahe daran, an einem Eigenheimbau mitzuwirken. Wir lebten damals auf dem Land in der schwäbischen Alb. Ein Bauplatz wurde vermittelt und die Finanzierung wäre durch meine Firma, bei der ich beschäftigt war, gesichert. Ich baute ein Modell des geplanten Hauses im Maßstab 1 : 40. Dieses Modell wurde im Süddeutschen Fernsehen gezeigt unter dem Titel: „Die Villa des kleinen Mannes“. Die Verwirklichung dieses Projektes scheiterte aber am Gedanken an die Finanzierung. Ich wollte mich auf gar keinen Fall mit meinem Arbeitgeber „verheiraten“.Jahre vergingen. Das Ziel des eigenen Hauses ließen wir nicht aus den Augen und so sparten wir. In der Zwischenzeit zogen wir nach Nürnberg. Hier lebten wir in der 4. Etage eines alten Herrschaftshauses. Es war 1976/77, der Beginn des CB-Funks (Citizens`Band), Privat-Funker am oberen Ende der Kurzwelle im 27 MHz-Bereich, mit einer Reichweite von 20 bis 80 km, also mit Amateurfunkern auf Kurzwelle nicht zu vergleichen.
Die Reichweite der Funkwellen wurde erheblich verbessert durch eine gute Antenne und deren Standort. Ich erhielt also auf Befragen meines Hausbesitzers die Erlaubnis, meine Funkantenne, die bisher provisorisch auf dem Dachboden unter dem Dach untergebracht war, außen auf dem Dach seines Hauses zu montieren. Ein paar Tage vor der Montage verlangte der Hausbesitzer von mir, dass ich die Antenne mit einem Blitzableiter versehen müsse, der über das Dach, am Haus außen entlang im Erdboden angebracht werden müsse. Seine eigene Fernsehantenne war auf dem Dachboden an die dortige Wasserleitung angeschlossen. Dort wollte ich auch meine Funkantenne nach VDE-Richtlinien anbringen. Doch er beharrte auf der Forderung eines eigenständigen Blitzableiters. Die zusätzlichen Kosten würden sich über Zweitausend DM ausmachen.
Impulsiv sagte meine Frau, wenn der Hausbesitzer so uneinsichtig ist, dann schauen wir uns nach einem eigenen Haus um! Gesagt – getan! 3 Monate haben wir gesucht, besichtigt und verglichen. Schließlich fanden wir inmitten der Stadt, nur 20 Gehminuten vom Zentrum entfernt, den Bau eines Reihenhauses, das gerade bis zum Erdgeschoss gediehen war. Innerhalb von nur sieben Monaten war das Haus bezugsfertig. Nun leben wir in 6 Zimmern mit insgesamt 220 Quadratmetern Wohnfläche. Auf dem Dach unseres Hauses wurde eine über 10 Meter hohe Funkantenne montiert und dem Funkvergnügen stand nichts mehr im Wege. Natürlich ist die Antenne auch vorschriftsmäßig geerdet.
So hat sich mein Traum vom eigenen Haus, wenn auch spät, ich war damals schon 46 Jahre alt, dank einer Antenne, doch noch erfüllt.
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