Das Kegeln

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Autor: Johannes Malchàrek

In unserer Gemeinde wurde neben der Kirche ein neuer Pfarrsaal gebaut. Im Keller dieses neuen Gebäudes wurden 2 Kegelbahnen angelegt. Als Mitglied unseres Kirchenchores regte ich an, einen Kegelclub aus Mitgliedern dieses Chores zu gründen. Im Alter von 42 Jahren übernahm ich dann die Vorstandschaft dieses neuen Kegelclubs. Es war kein Sportkegeln, sondern ein reines Gesellschaftskegeln, mit viel Unterhaltung und Vergnügen, wobei die sportliche Note einen zusätzlichen Effekt hatte. 28 Jahre lang habe ich den Club geleitet, dann die Leitung an Jüngere übertragen. Die Mitgliederzahl schwankte zwischen 20 und 25 Personen.

Die Jahre vergingen. Mit 47 Jahren steht man ja noch voll im Berufsleben. Eines Tages ging ich zu einem Kollegen, um mit ihm technische Details unseres gemeinsamen Aufgabengebietes zu besprechen. Als ich zu ihm kam, bat er mich einen Augenblick zu warten, weil er sich erst zum Bundeskegelsportabzeichen anmelden wolle. Da muß mich wohl der Teufel geritten haben, denn ich sagte zu ihm, er möge mich doch gleich mit anmelden. Auf seine Frage hin erklärte er mir, wann und wo das Sportabzeichen erlangt werden kann. Ich konnte nun nicht mehr zurück und erklärte mich mit allem einverstanden.

Er erklärte mir erst einmal die Regeln des Sportkegelns. Zur Erlangung des Bundeskegelsportabzeichens gelten besondere Bedingungen. Es werden 25 Schübe auf die Vollen gemacht, das heißt alle 9 Kegel werden nach einem Wurf wieder aufgestellt, und 25 Schübe abräumen, das heißt es wird solange auf die nicht getroffenen Kegel geschoben, bis auch der letzte gefallen ist – Bahnwechsel – wieder 25 Voll und 25 Abräumen. Auf jeder Bahn 50 Schübe. Insgesamt also 200 Schübe auf 4 Bahnen. Die Bahnen müssen ganz neu gebaut, oder generalüberholt worden sein, und nur innerhalb der nächsten 2 Wochen nach Eröffnung ist die Erlangung möglich.

Dann war es so weit. Die Sporthalle war etwa 20 km von meinem Wohnort entfernt. Die Bedingung für mich war: 730 gefallene Holz sind zu erreichen, 738 habe ich auf Anhieb erreicht. Damit hatte ich das Bundeskegelsportabzeichen in Bronze erlangt. Mein Kollege war ganz erstaunt, daß ich so gut kegeln kann, ich aber auch. Nun machte er mir den Vorschlag, in seiner Gruppe, alles Angestellte der Stadtverwaltung, sonntags vormittags mit ihnen zu kegeln. So kam ich zum Sportkegeln der „Sonntags-Vormittags-Kegler“ (SVK), das ist aber kein Sportverein.

Durch diesen unerhofften Erfolg hatte uns das Kegelfieber richtig erfasst. Das nächste Ziel war dann aber die Erlangung des silbernen Sportabzeichens, denn wenn man das bronzene Abzeichen erreicht hat, ist es nur noch möglich auf das Silberne, dann auf das goldene Sportabzeichen zu kegeln. Aber nun erst merkten wir, daß die 738 Holz ein reiner Glücksfall waren. Trotz eifrigen Bemühens und unzähligen vergeblichen Versuchen brauchte ich dann noch ganze 5 Jahre, um das silberne Sportabzeichen zu erreichen. Die Bedingungen waren 760 Holz, erreicht habe ich 792.

Nun hatte ich das Glück, daß auf halben Weg zwischen meinem Büro und meinem Haus (7 km), eine Sporthalle mit 4 Kegelbahnen gebaut wurde. Ich mietete alle 4 Bahnen für 1-2 Stunden und trainierte jetzt regelmäßig jede Woche. Schon nach einem halben Jahr gelang es mir, mit 812 Holz, Bedingung war 810, das goldene Sportabzeichen in Gold zu erlangen.

Meine Kameraden vom SVK bauten nun körperlich so weit ab, daß an ein geordnetes, sportliches Kegeln nicht mehr zu denken war. Von nun an war ich Einzelkämpfer. Ich gehöre keinem Sportverein an, und kegele nur zu meiner körperlichen Ertüchtigung. Inzwischen sind 25 Jahre vergangen und ich habe, auf allen möglichen Kegelbahnen, teilweise bis zu 200 km entfernt, bereits über Eintausendeinhundert mal das goldene Bundeskegelsportabzeichen erreicht. Mein Durchschnitt liegt jetzt, ich bin immerhin schon 77 Jahre alt, bei 840 Holz.

Seit über 30 Jahren ist es mein Ziel, 104 Jahre alt zu werden, und das bei bester Gesundheit. Die Gene dazu habe ich von meinen Vorfahren geerbt. Ich hoffe, dass ich mich noch viele Jahre sportlich betätigen kann, sei es mit dem Kegeln, dem Bergwandern oder auch mit dem Radfahren.

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