Das Holzschlagen

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Autor: Johannes Malchàrek

Nur zum Vorwort: Ich war immer schon ein Einzelgänger. Ich liebte das Herumstreifen in den Wäldern des Harzes. In den Jahren meiner Kindheit und Jugend lernte ich meine Heimat kennen, wie kaum ein Zweiter. Das wurde mir auch in der jüngeren Vergangenheit immer wieder bestätigt, obwohl ich nun schon seit über 50 Jahren von meiner ehemaligen Heimat entfernt lebe.Nach dem zweiten Weltkrieg war die Not in der von den Russen besetztem Gebiet Deutschlands so groß, daß es wirklich am Allernötigsten zur Versorgung der Bevölkerung fehlte. Die Winter bei uns im Harz waren immer schon streng und extrem kalt, doch nun fehlte das erforderliche Heizmaterial.

Es war etwa im Jahr 1950, ich war 19 Jahre alt, da bekam mein Vater, Eigentümer und Meister eines Friseurgeschäftes, die Genehmigung, in einem Gebiet, ungefähr 8 Kilometer entfernt von unserem Heimatort, eine bestimmte Menge Holz zu schlagen. Dieses Gebiet lag aber exakt an der Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Die Grenze wurde von den Russen und den so genannten VoPos (Mitglieder der kasernierten Volkspolizei >sprich DDR-Soldaten<) streng bewacht.

Es gab damals natürlich weder Autos, Taxis oder Busse, die uns zu dem vorgeschriebenen Waldstück befördern konnten. So begaben wir uns zu Fuß bergauf, bergab, gewappnet mit Äxten, Sägen, Keilen und Proviant in das bestimmte Waldstück. Beteiligt waren mein Vater, 2 Gesellen aus dem Geschäft, mein ein Jahr älterer Bruder und ich.

Wir durften nur die vom Förster angezeichneten Bäume, Fichten und Buchen, in der Mehrzahl abgestorbene oder kranke Bäume, fällen. Den ganzen Tag über werkelten wir. Die gefällten Bäume wurden von Ästen befreit und in 1 Meter lange Stücke gesägt. Alles wurde, zur Freigabe durch den Forstmeister, säuberlich am Wegrand aufgeschichtet. Damit war unser Tagwerk beendet und wir begaben uns auf den Heimweg.

Aber schon nach einer kurzen Wegstrecke bemerkte ich, daß wir eine falsche Richtung eingeschlagen hatten. Wir näherten uns zusehends der Zonengrenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Meinem Bruder sagte ich dies, doch der meinte, daß unser Vater schon wisse, wo der Rückweg entlang geht. Nachdem wir die Grenze bereits überschritten hatten, sagte ich dies meinem Vater. Doch der meinte, daß einer seiner Gesellen in unserem Heimatort geboren wurde, und damit der beste Führer für den Heimweg sei.

Nach weiteren 20 Minuten bemerkten die Erwachsenen, daß wir irgendwie falsch gelaufen sein müssen. Wir hielten an, und es wurde beratschlagt, wo denn nun der richtige Weg zu finden sei. Man erinnerte sich, daß ich dies schon vor einiger Zeit festgestellt hatte. Ich sagte, daß wir seit 10 Minuten an einem langen Wiesenhang entlang gegangen wären, der direkt zum nächsten Ort in Westdeutschland führt. So wurde ich beauftragt, von nun an die Führung zu übernehmen. Wir stiegen also schräg über die steilen Wiesen hinauf. Dort, auf dem Kamm, suchten wir Schutz unter den Bäumen, umgingen die Wachmannschaften, von denen ich wusste, wo sie sich gewöhnlich aufhielten, gingen durch ein anschließendes Tal, und nun wussten meine Begleiter wieder, wie der Weg nach Hause führen würde. Keiner der Beteiligten sagte ein Wort des Bedauerns.

Ich hatte meine Genugtuung, - aber wer glaubt schon so einem jungen Besserwisser wie mir?

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