Die Glasmalerei Englischer Kirchenfenster von Deutschem Kriegsgefangenem
Autor: Ernst Kremer
Nach der Invasion der Alliierten in der Normandie 1944 wurde ich von den Engländern gefangen genommen und in ein englisches Gefangenenlager in England gebracht. Nach einiger Zeit wurden die Kriegsgefangenen in Betrieben zur Arbeit eingeteilt. Ende 1947 war ich in einer größeren Fabrikanlage in der Malerwerkstatt als Maler für allerlei Gebrauchsgegenstände tätig.
Eines Tages erschien der Kommandeur unseres Lagers an meinem Arbeitsplatz und erkundigte sich, ob ich unserem Aufseher die dortige Wandmalerei (ein Rosenstrauß in einem Flechtkorb) auf freiwilliger Basis gemalt hätte.
Ich erklärte ihm, dass ich dies gerne ausgeführt habe, da wir uns bestens verstehen und mein Aufseher mich öfters zu sich nach Hause einlud. Gemeinsam mit seiner Familie durfte ich so manchen Abend verbringen.
Nach dieser Information nahm mich der Kommandeur mit ins Freie und zeigte auf die in einiger Entfernung erbaute Kirche. Dann legte er mir eine Hand auf die Schulter und fragte mich, ob ich als Kriegsgefangener auch bereit wäre, für die Kirche die Fenster als Glasmalerei auszuführen.
Als wir auch noch ähnliche Ideen für die Motive hatten, war von mir als ‚Kriegsgefangenem’ nicht mehr die Rede.
In den darauf folgenden Tagen wurde sofort mit einem anderen deutschen Kriegsgefangenen, einem Glasfabrikanten, Verbindung aufgenommen und die Arbeit konnte starten.
Für uns bestand die Kriegsgefangenschaft nur noch auf dem Papier und wir konnten einer interessanten Arbeit nachgehen.
Zur Einweihung der Kirche wurden wir als GÄSTE eingeladen!
Die englische lokale Presse hob meine Arbeit als Fenstermaler besonders hervor und lobte meinen Einsatz für die englische Kirche.
Nach Ende unserer offiziellen Kriegsgefangenschaft in England erhielten wir von den Kirchenbaufirmen ein Arbeitsangebot, d.h. unsere Frauen bzw. Familien nach England zu holen und dort weiterhin als Kirchenmaler tätig zu sein.
Wir nahmen dieses ehrenwerte Angebot nicht an und kehrten wieder in unsere Heimat nach Deutschland zurück.
Geblieben sind mir zur Erinnerung die englischen Zeitungsberichte und Fotos von den Malereien.
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April 7th, 2009 at 15:27:10
What a wonderful example for international humanity. People stay people in spite of the war!