Die Grenze - Deutschland / Deutschland

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Autor:  Johannes Malchàrek

Die Europäische Beratende Kommission hatte bereits am 15. Januar 1944 vorgeschlagen, nach Beendigung des 2.Weltkrieges Deutschland in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 zu Besatzungszonen aufzuteilen. Den nordwestlichen Teil sollten die Briten, den nordsüdlichen Teil die Amerikaner und den östlichen Teil die Sowjets zur Verwaltung erhalten. Von der deutschen Hauptstadt Berlin wurde der nordöstliche Teil den Sowjets zugesprochen.

Ursprünglich wollten die Sowjets den Franzosen keine eigene Besatzungszone zugestehen, da Josef Stalin den Einwand brachte, die Franzosen hätten wenig zum Sieg gegen Deutschland beigetragen und hätten im Gegenteil den Deutschen Truppen in Frankreich Tür und Tor geöffnet. Doch im Nachhinein erhielten die Franzosen die südliche Rheinprovinz Hohenzollern, das südliche Württemberg, das Land Baden, die bayerische Pfalz und den linksrheinischen Teil von Rheinhessen zur Verwaltung.

Am 8. Mai 1945 wurde durch die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht der Krieg beendet. Die Sowjets hatten ganz Berlin erobert. Die alliierten Streitkräfte hatten jedoch bis dahin schon den größten Teil Deutschlands, bis weit an die Elbe und bis an die Grenzen der Tschechei, besetzt.

In den letzten Kriegstagen im April 1945 besetzten amerikanische Kampftruppen, mit enormen Verlusten an Menschen und Material, meine Heimatstadt im Südharz. Die Kampftruppen wurden durch Besatzungstruppen ersetzt. Die Bevölkerung arrangierte sich wohl oder übel mit der neuen Situation. Natürlich gab es damals auch Widerstände einzelner Mitbürger gegen die oft nicht-arischen exotischen, z.B. dunkel- und schwarzhäutigen Soldaten (Neger) die sich einer fremden Sprache bedienten. Für uns Kinder war der Umgang mit den ehemals feindlichen Soldaten durch unsere schulischen Englisch-Kenntnisse relativ leicht. Die Amerikaner liebten Kinder. Mit meinen 14 Jahren war ich zwar kein Kind mehr, und die nationalsozialistische Erziehung brachte anfangs natürliche Einschränkungen im Umgang mit den ehemaligen „Feinden“, aber als junger Mensch ist man noch flexibel und umpolbar, um aus dieser Situation heraus noch das Beste zu machen. Mit einem Wort gesagt: Wir kamen mit den neuen Machthabern recht gut aus. Das Leben war immer noch chaotisch, und der Schwarzhandel mit allen möglichen Gütern des täglichen Bedarfs begann seinen Höhenflug.

Ende Juli 1945 kam für uns ein denkwürdiger Tag. Die Erfüllung der von den Siegermächten ausgehandelten Verträge über die zukünftigen Verwaltungsgebiete in Deutschland wurde vollzogen. Der westliche Teil Berlins wurde den Alliierten übergeben. Im Gegenzug zogen sich die Amerikaner bis hinter die westlichen und südlichen Grenzen Thüringens zurück. Die Amerikaner verließen mit ihrem ganzen technischen und militärischen Gerät wie Panzerkampfwagen, Haubitzen, Geschütze, Bergungspanzer, Mannschaftswagen, Versorgungsfahrzeuge und Sanitärfahrzeuge unsere Stadt in Richtung Westen.

Die amerikanischen Soldaten hatten die Stadt kaum verlassen, da demonstrierten bereits Einheimische mit Transparenten auf denen zu lesen war:

„Wir begrüßen die rote Armee als unsere Befreier !!!“

Die sowjetischen „Befreier“ kamen nun von Osten her in unsere Stadt. Viele liefen zu Fuß, abgekämpft, mit zerschlissenen grauen Uniformen, andere saßen auf Panjewagen, gezogen von einem Pferd. Es waren arme Menschen. In unserer Stadt lebten viele Kommunisten. Von diesen wurden sie herzlich aufgenommen, auch wenn die Sprache erst einmal ein großes Hindernis war, denn wer konnte damals schon russisch? Im Laufe der Zeit aber kamen wir mit den russischen Soldaten und Besatzern ganz gut zurecht. Oft hörten wir abends ihre traurigen Gesänge bis zu uns herüber klingen.

Im Sommer 1945 waren sämtliche Schulen geschlossen. Der Grund lag in der politischen Situation. So wie heute in der Bundesrepublik Deutschland, war das gesamte Lehrpersonal damals auf die geltenden politischen Gesetze eingeschworen. Nun mussten die Lehrkräfte erst einmal politisch umgepolt werden, das nannte man „entnazifizieren“. Für diese Zeit fiel der gesamte Schulunterricht aus. Dadurch war für uns Kinder der Sommer 1945 ein reines Ferienvergnügen. Doch kein Zustand, und mag er noch so begehrenswert sein, hält ewig an.

Eines Tages wurden wir Heranwachsenden dazu verpflichtet, die Grenze zwischen Thüringen und Hessen zu markieren. Das war die neue Grenze zwischen den westlichen und östlichen Besatzungsmächten. Mein Geburtsort Ellrich lag unmittelbar an dieser Grenze. Unter der sowjetischen Führung wurden diese neuen Grenzen nicht nur markiert, sondern mit einem 10 Meter breiten Grenzstreifen versehen. Dazu wurden bei uns im Harz, an der Grenze entlang, sämtliche Bäume und Sträucher auf 10 Meter Breite entfernt. Die Russen gingen dabei mit den Bäumen nicht gerade zimperlich um. Schwer zu erreichende alte Bäume an den Berghängen wurden kurzerhand oberhalb des Wurzelwerkes mit einer Sprengladung versehen und einfach in die Luft gesprengt. Die zerrissenen Baumstämme waren dadurch selbst mit unseren kräftigen Kaltblut-Pferden kaum aus dem steilen Gelände zu bergen. Dieser Grenzstreifen sollte den Verkehr, ob offiziell oder inoffiziell, zwischen Ost und West unterbinden, oder zumindest auf ein von den russischen  Besatzungsmächten zulässiges Maß einschränken.

Diese neu entstandene Grenze wurde von Soldaten der sowjetischen Wehrmacht bewacht. Zunächst wurden nur die Straßen und größeren Feld- und Waldwege bewacht. Hierzu wurden an den Grenzstellen hölzerne Wachstuben errichtet. Die Russen sind von Natur aus umgänglich und bequem. Damit soll gesagt werden, dass es sich die Bewacher in diesen Wachstuben gemütlich machten, und nur die Grenzgänger kontrollierten, die direkt auf den Straßen die Grenze überschreiten wollten. Dienst ist Dienst, aber man muss das Aufpassen ja nicht übertreiben.

Mein Ausbildungsbetrieb, Maschinenfabrik und Eisengießerei, befand sich etwa 100 Meter von der Grenze entfernt. Die Wachstube der Russen stand an der Straße von Ellrich (meinem Heimatort) und Zorge (der nächste Ort im Westen). Über die Strasse war ein Graben von etwa ½ Meter Tiefe und 1 Meter Breite gezogen. Zusätzlich war die Durchfahrt noch mit einem Schlagbaum gesichert. Noch einmal 100 Meter weiter befand sich eine Fabrik auf westdeutschem Gebiet.

Eines Tages beobachtete ich einen deutschen Landser, der sich in großen Sprüngen mit 2 Krücken auf die Grenze zu bewegte. Die 2 Russen kamen aus ihrer Stube heraus, mit schussbereiten Gewehren in den Händen. Als sie sahen, dass der Soldat schon fast die Grenze erreicht hatte, gingen sie wieder in ihre Wachstube hinein, ohne weiter den Flüchtling zu beachten, der war ja nicht mehr in ihrem Hoheitsgebiet.

Dieses Verhalten änderte sich schlagartig, als die sowjetischen Bewacher der Grenze von Söldnern der ostdeutschen Volkspolizei abgelöst wurden. Mein Ausbildungsbetrieb lag etwa 3 Kilometer von meinem Elternhaus entfernt. Öffentliche Verkehrsmittel gab es nicht. Fahrräder konnten nur eingesetzt werden, wenn Bereifung und Ersatzmaterial vorhanden war, was meist nicht der Fall war. So konnten wir den Betrieb nur zu Fuß erreichen. Um nicht auf der Teerstraße laufen zu müssen, gingen wir oft an einem parallel zur Straße verlaufenden Bach entlang. Hier wurden wir immer wieder von den deutschen Bewachern der Grenze kontrolliert, und nach dem Ziel unseres Weges gefragt. Selbst unsere Brotbüchsen mit dem täglichen Proviant (Betriebskantinen gab es damals noch nicht) wurden von einigen dieser übereifrigen Söldnern kontrolliert. Sicher ist die deutsche Gründlichkeit ein gutes Omen, aber man darf das Menschliche nicht außer acht lassen. Man kann alles übertreiben, und da sind die Deutschen nicht zu überbieten.

Als erfahrener Waldläufer kannte ich die Umgebung meines Heimatortes im Umkreis von 30 Kilometern wie kein anderer. So war es mir möglich, die Grenze immer wieder ungesehen zu überschreiten. Von meiner Schulzeit hatte ich noch einige Freunde und Bekannte im nun kapitalistischen Westen. Die Freundschaften wurden weiter gepflegt. Im Westen waren die alkoholischen Getränke aus Nordhausen sehr gefragt, im Osten dagegen herrschte Mangel an allen Dingen des täglichen Lebens. Besondere Vorliebe im Osten hatte man zum Beispiel für Bücklinge. So entwickelte sich mit der Zeit ein regelrechter kleiner Grenzverkehr, an dem ich nicht schlecht verdiente. Ich machte mir wegen der paar Geschäfte keine Gewissensbisse, denn zu jener Zeit war jedermann auf seinen Vorteil bedacht, um überhaupt überleben zu können.

Im größeren Stil wurde von den Firmen geschmuggelt. Eines Tages hieß es bei uns in der Firma, wir sollten alle unsere Maschinen in den Leerlauf schalten. Wir selbst sollten möglichst schnell auf die Straße zu der Wachstube gehen. Auf dem Weg dorthin sahen wir schon einen Lastwagen mit offener Heckklappe auf den Schlagbaum zukommen. Kaum dort angekommen, wurden aus dem Laderaum des Lastwagens lauter neue Autoreifen herunter gehoben, Jeder von uns Angestellten nahm sich einen Reifen und rollte ihn in unsere Fabrik. Dort wurden sie in einem separaten Raum untergebracht. Vom Wachpersonal war während dieser Aktion nichts zu sehen, aber an der Tür der Wachstube wurden von den Akteuren ein paar Westgeschenke niedergelegt. Am nächsten Morgen schon waren die Reifen aus dem Versteck verschwunden.

Von meinem Heimatort Ellrich aus führte eine Kleinbahn bis nach Zorge im westlichen Harz. Die Gleise dieser Bahn verliefen direkt an unserer, und auch an der benachbarten Firma im Westen vorbei, mit jeweils eigenem Gleisanschluss. Natürlich war der Verkehr auf dieser Strecke nach Kriegsende eingestellt worden, aber die Gleise waren noch unversehrt und es waren immer noch Niederbordwagen für den ehemaligen Gütertransport vorhanden. Diese wurden hin und wieder zum Zweck des Warenaustauschs mit Holzbearbeitungsmaschinen aus unserer Produktion beladen. Die Angestellten der im Westen gelegenen Fabrik zogen nun diese Wagen einzeln mittels Seilen zu sich hinüber. Im Gegengeschäft bekamen wir auf diese Weise wertvolle Waren aus dem Westen. Durch das natürliche Gefälle der Bahnstrecke ließ man die Wagen einfach wieder zu uns herunterrollen. Das war Schmuggel auf etwas höherer Ebene, aber allen Beteiligten dienlich.

Sollte ich wegen der paar Heringe, dem Kakao oder dem Kaffee und dem bisschen Alkohol, was ich eingetauscht hatte, ein schlechtes Gewissen haben? Ganz bestimmt nicht. Von unserer Pfarrei habe ich sogar neue Messgewänder, die im Kloster in Heiligenstadt im Eichsfeld in Handarbeit gefertigt wurden, nach dem Westen gebracht, für Gotteslohn.

Im Laufe der Zeit wurden die Grenzen jedoch immer schärfer bewacht und bereits im Jahr 1951 wurde es immer schwieriger die Grenze ungeschoren zu überwinden. Die DDR-Führung ließ eine 5-Kilometerzone zum Grenzstreifen errichten. Die Straßen zu diesem Gebiet wurden mit Schlagbäumen versehen und jeder Passant wurde kontrolliert. Die Bewohner in diesem grenznahen Gebiet bekamen gesonderte Ausweise. Nicht linientreue Bewohner von Ellrich wurden mit ihren Familien, teilweise mit ihrem Hab und Gut, innerhalb von 24 Stunden in das Hinterland deportiert. Besucher aus den restlichen Teilen der DDR benötigten für die Einreise extra zu beantragende Einreisegenehmigungen mit Angabe des Zwecks der Reise und Verwandtschaftsverhältnisse zu den zu Besuchenden. Die Fahrzeuge wurden exakt auf Insassen, Gepäck, Papiere und eventuelle Verstecke am und im Fahrzeug überprüft.

Als meine Mutter im August 1985 in Ellrich verstarb, bekam nur ich eine Genehmigung zur Beerdigung meiner Mutter in der DDR. Meine Frau und meine 2 Kinder bekamen keine Einreisegenehmigung in die DDR, geschweige denn in die 5- Kilometer Sperrzone. Mit meinem Fahrzeug durfte ich nicht in die Sperrzone fahren, das heißt, ich musste mit der Bahn in meinen Heimatort einreisen, oder mich von einem in der Sperrzone Ansässigen per Auto abholen lassen. Ich lernte die katastrophalen Straßenverhältnisse in der DDR kennen. Ich sah mit eigenen Augen die heruntergewirtschafteten Häuser und Fabriken. Allein bei der Fahrt von Nürnberg durch den Thüringer Wald musste ich meinen Wagen in Arnstadt waschen lassen, weil von den maroden Straßen der Dreck so dick auf dem Fahrzeug lag, dass ich so nicht weiter fahren konnte. Die DDR-Bürger haben sich wegen solchen Kleinigkeiten nicht aufgeregt, sie sind eben halb blind weiter gefahren. Lastwagen haben pechschwarze Rauchfahnen hinter sich hergezogen. Doch laut Aussage von unserer Bundeskanzlerin Merkel im Jahr 2009, sie selbst war ja aus der DDR, war es in der DDR ja gar nicht so schlimm !!!

Im Frühjahr 1952 erließ die Regierung der DDR das „Gesetz zum Schutz der Demarkationslinie“. Von „Grenze“ wollte man in den Regierungskreisen der DDR nicht sprechen. Damit wurden die Grenzen noch schärfer als bisher bewacht. Der vor Jahren errichtete 10-Meterstreifen an der Grenze wurde von jedem Bewuchs freigehalten und mit Tretminen versehen. So war ein Überschreiten der Grenze, wenn überhaupt, nur noch unter Todesgefahr möglich. Das einzige Schlupfloch war noch die S-Bahn in Berlin. In der Zwischenzeit aber hatten bereits Millionen von Bürgern die DDR verlassen und die Flucht in den Westen angetreten. Nach dem Bau der berühmt-berüchtigten Mauer in Berlin war das aber auch nicht mehr möglich.

Von Beruf war mein Bruder Schulrat. Er wohnte in Leipzig. Zu einem Besuch meines Bruders in Leipzig bekam ich keine Einreisegenehmigung, er umgekehrt keine Ausreisegenehmigung nach Nürnberg. Doch zur Zeit der Leipziger Messe war es möglich ein Einreisevisum zur Messe in Leipzig zu bekommen. So konnte ich etwa ab 1980 meinen Bruder hin und wieder besuchen.

Das Kontroll-Zeremoniell an den Transit-Übergängen in die DDR war eine Tortur. Egal wo man die Grenze auch passierte, man musste mindestens 1 Stunde Wartezeit an den Grenzübergängen mit einplanen. Alle Identifikations-Dokumente mit Einreisevisa wurden erst einmal eingezogen. Eine Erklärung, dass man keine verzollbare oder verbotene Ware mitführt, wurde schriftlich verlangt. Funkgeräte oder ähnliches mussten ausgebaut werden, der Gebrauch in der DDR war strengstens untersagt. Alle Insassen der Fahrzeuge mussten diese verlassen. Dann wurden die Fahrzeuge genauestens untersucht. Festmontierte Rücksitze wurden ausgebaut. Unter den Fahrzeugen wurden mit fahrbaren Spiegeln die Unterseiten der Autos kontrolliert. 15 Mark Verwaltungsgebühr mussten sofort entrichtet werden.

Zum Besuch der Leipziger Messe war es nur erlaubt auf gekennzeichneten Transitstrecken durch die DDR zu fahren und auch nur Transit-Parkplätze benutzen. In Leipzig war dann noch einmal mindestens eine halbe Stunde Wartezeit mit einzukalkulieren. Von Süden her kommend musste man an Leipzig vorbei fahren, und dann über das Schkeuditzer Kreuz bis nach Mockau. Dort war die Aufnahmestelle für Westbesucher. Man bezahlte seinen Obolus für den Übernachtungsnachweis (den ich nicht benötigte, da ich ja bei meinem Bruder übernachtete). Dann folgte der Zwangsumtausch von DM-West in Mark des Ostens. Offizieller Kurs war damals 1:5, für 1 DM-West bekam man 5 Mark-Ost. Der Zwangsumtausch erfolgte aber 1:1 !!!

Bei den Verhandlungen der Siegermächte wurde 1944 schon vereinbart, dass Berlin auf keinen Fall die Hauptstadt Deutschlands werden darf. So wurde die Stadt Bonn der Regierungssitz der BRD, und Potsdam der Regierungssitz der DDR. Trotzdem sprach man im Osten immer wieder von der DDR-Hauptstadt Berlin.

Auch für den Westen Deutschlands gab es durch die Grenzziehung quer durch das Land enorme Veränderungen. Die westdeutschen Länder und Gemeinden hatten mit dem enormen Zustrom von Flüchtlingen ihre Probleme. Zum einen musste Arbeit und auch Unterkunft für die vielen zusätzlichen Millionen Menschen beschafft werden. Das war bei den ausgebombten Städten fast nicht möglich. Die Wohnverhältnisse nahmen oft unzumutbare Zustände an. Bekannte von mir mussten mit einem Verschlag auf dem Dachboden eines Mehrfamilienhauses vorlieb nehmen. Haus- und Wohnungsbesitzern wurden von Amts wegen Flüchtlinge in die bestehenden Wohnungen einfach eingewiesen. Streitigkeiten zwischen den Besitzern der Häuser und den Eingewiesenen waren vorprogrammiert. Die Menschen im Osten wussten und wissen auch heute noch nicht, dass allen Hausbesitzern in Westdeutschland nach dem Kriegsende zum Lastenausgleich eine staatliche Hypothek aufgezwungen wurde. Diese Schuld musste später von den Hausbesitzern getilgt werden.

Die Dörfer und Gemeinden in den grenznahen Gebieten von Westdeutschland waren nun auf einer Seite vom Verkehr abgeschnitten. Die Bevölkerung wanderte ab in die Großstädte. - So wurde als Regierungsprogramm das „Grenzland-Förderungsgesetz“ ins Leben gerufen. Steuerliche Nachlässe, zinsbegünstigte Kredite, billiges Bauland und weitere Vorteile sollten den Nachteil der Grenznähe ausgleichen. Damit sollten Firmen, die sich im grenznahen Bereich befinden, und auch die Arbeitnehmer, besonders gefördert und entlastet werden. Natürlich haben sich auch einige Firmen dieses Gesetz zu Nutze gemacht und ihren Stammsitz in diesen grenznahen Bereich verlegt. So erhielten sie, egal wo sie auch ihre Fertigung unterhielten, Gelder und Vorteile aus diesem Gesetz.

Dank der Vermittlung von Michail Gorbatschow wurde im Oktober 1989 von der BRD unter Helmut Kohl ein Betrag von insgesamt 200 Milliarden DM an Russland, Polen und Ungarn gezahlt. Danach wurde den DDR-Flüchtlingen aus der deutschen Botschaft in Budapest die Ausreise über Österreich in die BRD erlaubt. Die in Leipzig zur Zerschlagung der Montagsdemonstrationen bereitstehenden Streitkräfte wurden zurückgezogen und die Grenze in Berlin geöffnet.

Mit dem Fall der Berliner Mauer und der Öffnung der Grenzen zur DDR gab es nun kein Grenzland mehr und das Gesetz zur besonderen Förderung dieses Gebietes wurde hinfällig. Doch nun erfolgten in der ersten Euphorie des gemeinsamen Deutschlands Förderungen des ehemaligen  DDR-Gebietes. Es wurden bei den Kapitalanlegern überaus große Hoffnungen geweckt. Jedermann investierte in die neu gewonnene Freiheit. Bewohner der DDR kauften sich vom ersten Westgeld neue westdeutsche Autos und sie machten kostspielige Reisen ins westliche Ausland. DDR-Bürger wurden bei der Vergabe von Kuren vorrangig begünstigt. Die westdeutschen Kranken- und Sozialkassen wurden gezwungen, Leistungen an bis dahin nicht Versicherte zu übernehmen. Durch die Grenzöffnung nach dem gesamten Osten hin, wurden an die Zuwanderer Leistungen erbracht, die von den westdeutschen Bürgern erwirtschaftet worden sind, und sie bekommen diese Leistungen noch weiter !!!

Westdeutsche Firmen erwarben in der ehemaligen DDR billiges, von der Regierung freigegebenes Bauland und Immobilien. Niemand wollte zur Kenntnis nehmen, dass der gesamte Staat DDR, einschließlich des privaten Eigentums, im total maroden Zustand war. Nun, nach 20 Jahren, haben sich viele Investitionen als zu überzogen herausgestellt. Viele Firmen, die in den deutschen Osten fleißig investiert haben, sind nun am Rande des Ruins (siehe zur Zeit das Versandhaus „Quelle“). Auch die Erwartungen im Osten Deutschlands sind nicht erfüllt worden. Der Schlendrian und die Missstände der sozialistischen Marktwirtschaft in den 40 Jahren der kommunistischen Führung der DDR haben tiefe Spuren hinterlassen. Die Menschen in den ostdeutschen Ländern brauchen noch einige Zeit, um sich in die freie Marktwirtschaft einzubinden und für ihre Zukunft zu nutzen. Hochrangige Politiker waren 1990 der Meinung, dass die DDR ihre Wirtschaft innerhalb von 5 Jahren an die Westdeutsche Leistung angeglichen hat. Der damalige Bundeskanzler Kohl sagte 1990 vor der Presse, dass die DDR in 3, 4 bis 5 Jahren in eine blühende Landschaft verwandelt wird. Einige Milliarden EURO aus dem Westen sind in die ostdeutschen Länder geflossen, ohne das gesteckte Ziel zu erreichen. Nun sind a und den Aufbau des ostdeutschen Lebensstandards einen monatlichen Solidaritätszuschlag von unseren Gehältern zahlen, und noch immer sind die Leistungen in der DDR um 1/3 unter denen von Westdeutschland. Die Teilung Deutschlands in Ost- und Westdeutschland ist immer noch nicht abgeschlossen. Bei den neuesten Tarifabschlüssen für die Gebäudereiniger (Oktober 2009) bekommen die ostdeutschen Bürger größere Erhöhungen als die westdeutschen. Auch bei den diesjährigen Rentenerhöhungen bekommen die ostdeutschen Bürger größere Erhöhungen als die westdeutschen, obwohl die DDR-Bürger bis zum Jahr 1990 keinerlei Rentenversicherungszahlungen an die in Westdeutschland etablierten Rentenversicherungsträger geleistet haben.

Es ist gut, dass die Grenzen, die das deutsche Volk teilte, beseitigt wurden, aber die finanziellen Opfer, die von den westdeutschen Bürgern erbracht werden mussten, sind nicht zu übersehen. Die deutsche Staatsverschuldung beträgt zur Zeit (2009) unvorstellbare 1,6 Billionen EURO (1.600.000.000.000 EURO). An eine Tilgung ist bei solch einem Betrag, und bei der jetzigen wirtschaftlichen Flaute, überhaupt nicht zu denken. Aber man kann es sich als Politiker leicht machen: In Nürnberg wurde z.B. für die Wiederherstellung der Moritzkapelle eine Bronzetafel neben der Sebalduskirche in den Boden eingelassen mit der lakonischen Inschrift:

„Ihr Wiederaufbau bleibt den künftigen Generationen vorbehalten“

Na dann: „Gute Nacht liebe Zukunft“

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